Entwicklungsstörungen

Unter Entwicklungsstörungen versteht man eine Entwicklungseinschränkung oder -verzögerung von Funktionen, die eng mit der biologischen Reifung des Zentralnervensystems verknüpft sind. Entwicklungsstörungen wirken sich dabei auf das Verhalten aus. Es gibt Entwicklungsbeeinträchtigungen, die mit der Kommunikation zusammen hängen, z.B. Sprechschwierigkeiten, Schwierigkeiten im sprachlichen Verständnis, Artikulationsprobleme, andere betreffen die Motorik und/oder wirken sich auf das Schulleistungsverhalten aus, z.B. Lese-Rechtschreibschwierigkeiten, Rechenschwierigkeiten. Dabei muss allerdings wie auch in anderen Störungsbereichen der Entwicklung auszuschließen sein, dass es sich um schulisch bedingte Störungen handelt.

Es gibt aber auch tiefer greifende Entwicklungsstörungen, bei denen die Wahrnehmungsorganisation, die Bewegungen, die Interaktion, die Interessen auffällig beeinträchtigt bzw. eingeengt sind, z.B. Autismus (Selbstbezogenheit der Person, Gefangensein im Ich). Eine spezielle Problematik stellen auch die Persönlichkeitsentwicklungsstörungen dar, denn sie ergeben sich meist auf Grund langfristiger Erziehungseinflüsse. Psychische Krankheiten der Eltern oder andere Prädispositionen erhöhen die Auftrittswahrscheinlichkeit. Mangelndes Pflichtbewusstsein, schlechte Arbeitshaltung (früher sprach man von Verwahrlosung) zeigen sich gegenüber angestrebten Verhaltensänderungen als besonders widerständig.

Die tiefgreifenden Entwicklungsstörungen sind, in Abgrenzung zu den umschriebenen bzw. spezifischen Entwicklungsstörungen, gekennzeichnet durch eine Beeinträchtigung der Kommunikation und der sozialen Beziehungen sowie durch ein beschränktes Repertoire an Aktivitäten. Diese Störungen sind angeboren oder im frühesten Kindesalter erworben, und die ersten Symptome zeigen sich bereits vor dem dritten Lebensjahr. Die Entwicklung ist zu keinem Zeitpunkt dem Alter entsprechend.[1]

Die beiden international gebräuchlichen Klassifikationssysteme für Krankheiten kategorisieren die tiefgreifenden Entwicklungsstörungen wie folgt:

Das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-IV) von 1994 benennt fünf tiefgreifende Entwicklungsstörungen:

In der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) von 1992 sind die tiefgreifenden Entwicklungsstörungen in acht Kategorien eingeteilt:

Alle tiefgreifenden Entwicklungsstörungen haben einige Symptome gemeinsam:

  • Schwierigkeiten mit Verwendung und Verständnis von Sprache
  • Schwierigkeiten mit der Beziehung zu anderen Menschen
  • Schwierigkeiten mit Veränderungen der Umgebung und des Tagesablaufs
  • repetitive Körperbewegungen und andere stereotype Verhaltensweisen
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