Augenlähmung

Eine Augenlähmung kann unterschiedlichste Ursachen haben und bedarf immer der (sofortigen) medizinischen Abklärung !

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Augenlähmung: Andere Symptome

Notfall Augenlähmung: Was ist zu tun?

Wenn plötzlich Störung der Augenbeweglichkeit auftreten, ist Vorsicht geboten. Klagen die Patienten gleichzeitig über Schmerzen, stellt das einen Notfall dar.


Eine Vielzahl akut behandlungsbedürftiger Erkrankungen kommt als Ursache für eine schmerzhafte Ophthalmoplegie infrage – u.a. eine Sinus-cavernosus-Thrombose, ein Hirnarterien-Aneurysma oder ein Malignom.

 

Auch entzündliche Erkrankungen wie die Riesenzellarteriitis fordern evtl. rasches Handeln, wie Professor Dr. Frank Thömke von der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universität Mainz in der „Zeitschrift für Praktische Augenheilkunde“ ausführt.

Augenmuskel-Lähmung: Häufig ist ein Aneurysma der Grund.

Nicht selten lässt sich die Lähmungsursache auf ein vaskuläres Problem zurückführen. So findet sich bei 11–29 % aller Patienten mit Okulomotoriusparese ein Aneurysma – weniger häufig bei Abduzens- oder Trochlearis-Lähmungen.


Je nachdem, wo die Gefäßaussackung sitzt, sind einzelne Hirnnerven (z.B. N. oculomotorius bei Aneurysma der A. communicans posterior) oder mehrere „Augenbeweger“ (Aneurysma der A. carotis interna im Sinus cavernosus) betroffen. Die Schmerzen erklären sich durch den Druck auf das neurale Gewebe.

Subarachnoidalblutung auch ohne Meningismus möglich!

Bei dem typischen Vernichtungsschmerz muss man aber von einer Aneurysma-Ruptur mit Subarachnoidalblutung (SAB) ausgehen – auch wenn der Patient nicht nackensteif ist: Das als typisch geltende Zeichen „Meningismus“ gibt es oft, aber keineswegs immer bei einer SAB, warnt der Autor.


Auch auf die Pupillenstörung als Aneurysma-Zeichen ist kein Verlass. Häufig besteht bei Hirnarterienaneurysmen eine Mydriasis durch Druck auf pupillomotorische Fasern, ein Muss ist die weite Pupille entgegen landläufiger Ansicht jedoch nicht. Etwa 14 % der Okulomotoriusparesen durch Aneurysma treten auch ohne Pupillenstörung auf, betont Prof. Thömke.

Augenlähmung: zu 40 Prozent das erste Anuerysma-Symptom

Die Häufigkeit der Okulomotoriuslähmung als erstes Aneurysma-Symptom wird auf bis zu 40 % geschätzt. Bei entsprechendem Verdacht müssen betroffene Patienten schnellstmöglich einer bildgebenden Diagnostik zugeführt werden: Mit MR- oder CT-Angiographie kann man heute auch kleine Aneurysmen zuverlässig nachweisen.


Ein Aneurysma, das okulomotorische Nerven lähmt, bedarf umgehender Therapie. Dabei werden zunehmend interventionelle neuroradiologische Verfahren wie das sog. Aneurysma-Coiling eingesetzt. Möglicherweise resultiert der „Augenlähmungs-Notfall“ auch aus einer Carotis-Sinus-cavernosus- Fistel.


Die Diagnose erfolgt ebenfalls mit CT- oder MR-Angiographie. Da die Fisteln insbesondere bei nicht traumatischer Genese eine hohe Spontan-Verschlussrate aufweisen (10–60 %), kann hier zunächst eine abwartende Haltung indiziert sein.

Augenbewegungsstörung - Aneurysmaruptur lässt Exophthalmus pulsieren

Dramatischer gestaltet sich das Szenario, wenn das intrakavernöse Aneurysma reißt: Es kommt zu heftigen Schmerzen, venöser Abflussstauung (mit erweiterten orbitalen, konjunktivalen und retinalen Gefäßen) und schließlich der Ausbildung eines pulsierenden Exophthalmus. Augenbewegungsstörungen und Doppelbilder resultieren hier weniger aus Hirnnerven-Störungen als aus Schwellungen extraokularer Muskeln.


Der hohe intraorbitale Druck bringt die Sehkraft in Gefahr, sodass rasche Therapie, z.B. per Fistelembolisation, angezeigt ist. „Erblindung droht“, heißt es auch bei vaskulitischer Ursache des Augennotfalls im Rahmen einer Arteriitis temporalis, die mit einseitigen, starken frontotemporalen Schmerzen in Erscheinung tritt.

Arteriitis temporalis: erhöhte BKS und CRP-Werte untermauern den Verdacht

Doppelbilder stellen sich bei 10–20%der Patienten ein, wohl als Folge ischämischer Augenmuskelschäden, so Prof. Thömke. Eine Biopsie der A. temporalis (granulomatöse Entzündung mit mononukleären Infiltrationen und Riesenzellen) sichert die Diagnose. Doch eine negative Biopsie schließt das Leiden nicht aus, da man bei segmentalem Befall evtl. einen gesunden Gefäßwand-Abschnitt erwischt hat.


In der Farbduplex-Sonographie weisen ca. 80% der Patienten einen sog. Halo (echoarmer Bereich um das entzündete Gefäß herum) auf. Wegen der Erblindungsgefahr reicht schon der dringende Verdacht, um sofort hoch dosiert Steroide zu geben (initial 1 mg/kg KG Prednisolon). Bestehen Sehstörungen, erfolgt eine i.v.-Stoßtherapie mit 500–1000 mg über drei bis fünf Tage.

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