Aufmerksamkeitsdefizite

Definition Aufmerksamkeit

Bei dem Begriff „Aufmerksamkeit“ handelt es sich um ein psychologisches Konstrukt, welches aufgrund nur begrenzt möglicher Messbarkeit trotz weit reichender Forschung auf sehr vielfältige Arten definiert wurde. Allerdings gibt es einige zentrale Aspekte, die weitestgehend als gesichert gelten. Zunächst bezeichnet Aufmerksamkeit das geistige Inbesitznehmen eines von scheinbar mehreren gleichzeitig möglichen Objekten in klarer und lebendiger Form, ein sich Zuwenden zu gewissen Objekten. Dies impliziert gleichzeitig ein sich Abwenden von allen anderen Alternativen, man bezeichnet diesen Vorgang als Selektion: Aus einer Vielzahl der auf die Sinnesorgane einströmenden Eindrücke werden nur relativ wenige ausgewählt und bewusst wahrgenommen.

Eine Selektion ist nötig, da das menschliche Gehirn nur über begrenzte Ressourcen verfügt, um Informationen bewusst wahrzunehmen. Was genau den selektiven Prozess beeinflusst kann sehr unterschiedlich sein. Potentielle Einflussfaktoren sind beispielsweise die Intensität eines Reizes, der affektive Wert, aber auch Phänomene wie Neuartigkeit oder Überraschung. Außerdem spielen psychische Faktoren wie Einstellungen und Motive eine wichtige Rolle für die Auswahl der beachteten Objekte.

Die Aufmerksamkeitsdefizitstörung ist nach derzeitigem Stand (2009) ein multifaktoriell bedingtes Störungsbild mit einer erblichen Disposition, welche die Ausbildung der Krankheit begünstigt.

Für den Verlauf und die individuelle Ausprägung spielen daneben psychosoziale Faktoren und Umweltbedingungen eine wichtige Rolle.

Betroffene und ihre Angehörigen stehen meist unter erheblichem Druck. Versagen in Schule oder Beruf und die Entwicklung von weiteren psychischen Störungen sind häufig. Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad, den jeweiligen Symptomen sowie dem Alter des Betroffenen. Wegen der Komplexität der Störung wird angestrebt, verschiedene Behandlungsansätze zu einer auf den Patienten und sein soziales Umfeld zugeschnittenen Therapie zu kombinieren.

 

Typische Merkmale von ADS (Aufmerksamkeitsdefizite)

Im Schulalter sind einige Verhaltensmerkmale besonders charakteristisch, wobei jedes dieser Merkmale auch isoliert auftreten kann:

  • Unzureichende Daueraufmerksamkeit/Kurze Aufmerksamkeitsspanne: Das Kind ist leicht abgelenkt, träumt häufig und ist nicht in der Lage, anderen über einen längeren Zeitraum hinweg zuzuhören
  • Mangelnde Problemlösefähigkeiten: Das Kind ist schnell überfordert und kann sich bei Problemen nur selten selbst helfen
  • Impulsives Verhalten: Das Kind redet häufig dazwischen, wechselt unvermittelt das Thema
  • Mangelnde Handlungsstruktur: Das Kind arbeitet kaum selbstständig, so dass ein ständiges Überwachen durch die Eltern / den Lehrer erforderlich ist. Seine Handlungen sind oft chaotisch und unstrukturiert
  • Fehlender Ordnungssinn: Das Kind ist nicht in der Lage, Ordnung zu schaffen. Durcheinander findet sich z.B. bei den Hausaufgaben, im Kinderzimmer oder in der Schultasche
  • Motorische Unruhe: Das Kind zappelt häufig; es fällt ihm schwer, ruhig zu sitzen
  • Geringe Frustrationstoleranz: Das Kind fühlt sich schnell provoziert, reagiert frustriert und oft überzogen
  • Niedriges Selbstwertgefühl: Das Kind ist häufig ein Außenseiter, zieht sich von den anderen zurück oder spielt den Klassenclown
  • Lern- und Leistungsstörungen: Das Kind hat z.B. ein unsauberes Schriftbild, Lese-/ Rechtschreib-/ oder Rechenschwächen
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